$0 Germany — Quick-Start Checklist

Eigentumswohnung kaufen Checkliste: Marktwert ermitteln und den richtigen Preis zahlen

Eine Eigentumswohnung zu kaufen ist kein Spontankauf. Zwischen der Besichtigung und der Unterschrift beim Notar sollten mehrere Wochen intensiver Prüfung liegen — nicht, um den Kaufprozess zu verzögern, sondern um zu vermeiden, dass ein günstiger Kaufpreis durch versteckte Kosten, einen überteuerten Quadratmeterpreis oder schlechte WEG-Unterlagen zur teuren Falle wird.

Hier ist, was wirklich geprüft werden muss.

Checkliste: Diese Unterlagen brauchen Käufer vor dem Notartermin

Rechtliche Dokumente

Grundbuchauszug (aktuell, alle drei Abteilungen)
Abteilung I zeigt den aktuellen Eigentümer. Abteilung II enthält Belastungen wie Wegerechte, Nießbrauchrechte, Vorkaufsrechte oder Sanierungsvermerke — diese gehen auf den Käufer über, sofern keine Löschung vereinbart wird. Abteilung III zeigt eingetragene Grundschulden und Hypotheken, die vor dem Kauf bereinigt werden müssen.

Teilungserklärung (inklusive aller Nachträge)
Die Teilungserklärung ist die rechtliche Grundlage der WEG. Sie legt fest, was Sondereigentum ist (die Wohnung selbst, tragbare Innenwände, Böden, Sanitärobjekte) und was Gemeinschaftseigentum ist (Dach, Fassade, Außenwände, Fenster, Wohnungseingangstür). Besonders wichtig: Sondernutzungsrechte für Stellplätze, Gartenflächen oder Kellerräume sollten in der Teilungserklärung oder in einem Nachtrag eingetragen sein.

WEG-Protokolle der letzten drei Jahre
Hier sucht man nach Signalen für geplante oder aufgeschobene Sanierungen, Streitigkeiten, Sonderumlagen und Hinweisen auf Zahlungsausfälle einzelner Eigentümer.

Letzte drei Jahresabrechnungen und aktueller Wirtschaftsplan
Zeigt den tatsächlichen Kontostand der Erhaltungsrücklage und die laufenden Kosten der WEG.

Energieausweis
Pflichtdokument, muss spätestens bei der Besichtigung vorgelegt werden. Die Energieklasse (A+ bis H) hat direkte Auswirkungen auf die gesetzlichen Sanierungspflichten nach GEG und auf die langfristigen Energiekosten.

Bautechnische Prüfung

Für eine Eigentumswohnung ist eine vollständige Begutachtung durch einen Sachverständigen seltener als beim Hauskauf, aber bei älteren Gebäuden empfehlenswert. Mindestpunkte:

  • Sichtbare Feuchtigkeitsschäden (Keller, Außenwände, Dachgeschoss)
  • Zustand der Heizungsanlage (Alter, Energieeffizienz)
  • Zustand der Fenster und Außentüren
  • Elektroinstallation (besonders in Altbauten vor 1980 auf veraltete Systeme prüfen)

Den Marktwert der Wohnung realistisch einschätzen

Schritt 1: Vergleichspreise recherchieren

Die realistischste Grundlage sind die tatsächlichen Transaktionspreise in der direkten Umgebung. Angebotspreise auf Portalen liegen systematisch über den Verkaufspreisen.

Quellen für Vergleichspreise:

  • Gutachterausschüsse: Jedes Bundesland hat Gutachterausschüsse, die Bodenrichtwerte und Kaufpreissammlungen führen. Diese Daten sind öffentlich zugänglich und zeigen, was in der Region tatsächlich bezahlt wurde.
  • Immobilienportale: ImmoScout24 und Immowelt erlauben die Ansicht von Preistrends nach Postleitzahl. Diese Zahlen basieren auf Angebotspreisen — nicht auf Abschlusspreisen.
  • Bundesbank-Daten und Postbank Wohnatlas: Bieten regionale Durchschnittspreise als Orientierungshilfe.

Schritt 2: Wertmindernde Faktoren identifizieren

Ein Angebotspreis orientiert sich am Marktdurchschnitt. Einzelne Objekte können darunter oder darüber liegen. Wertmindernde Faktoren:

  • Schlechte Energieklasse (F, G, H) mit gesetzlichem Sanierungsbedarf
  • Teilungserklärung mit Sondernutzungsrecht für andere Eigentümer am eigenen Stellplatz oder Garten
  • WEG mit niedrigen Rücklagen und erkennbarem Sanierungsstau
  • Lärmbelastung (Hauptverkehrsstraße, Bahn)
  • Nicht abgeschlossene Rechtsstreitigkeiten der WEG

Wertsteigernde Faktoren:

  • Gut geführte WEG mit solider Rücklage und regelmäßiger Instandhaltung
  • Südausrichtung, guter Grundriss
  • Aufzug in älterem Gebäude vorhanden
  • Modernsierter Innenausbau in den letzten 10 Jahren

Schritt 3: Wann ein professionelles Gutachten sinnvoll ist

Ein Wertgutachten durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen kostet typischerweise 1.000 bis 3.000 € für eine Eigentumswohnung — abhängig vom Objekt und Gutachterhonorar. Es liefert den Verkehrswert (§ 194 BauGB): den Preis, zu dem das Objekt bei einer Transaktion zwischen informierten und nicht unter Druck stehenden Parteien wechseln würde.

Ein Gutachten lohnt sich besonders:

  • Bei Objekten mit auffälligen Abweichungen vom Marktpreis (sehr günstig oder sehr teuer)
  • Bei Bestandsgebäuden mit unklarem Sanierungszustand
  • Bei Kaufpreisverhandlungen, wenn ein unabhängiger Wert als Verhandlungsgrundlage gebraucht wird
  • Bei Erbschaftssituationen oder Scheidungen

Alternativ bieten seriöse Immobilienmakler und Banken kostenlose grobe Werteinschätzungen an — diese sind aber nicht als Gutachten zu verstehen und dienen eher der eigenen Orientierung als der Verhandlung.

Den vollständigen Prüfleitfaden für den Eigentumswohnungskauf — von der WEG-Unterlagen-Analyse über die Kaufvertragsprüfung bis zur Schlüsselübergabe — gibt es strukturiert aufbereitet im Ratgeber Erste Immobilie Kaufen in Deutschland.

Get Your Free Germany — Quick-Start Checklist

Download the Germany — Quick-Start Checklist — a printable guide with checklists, scripts, and action plans you can start using today.

Learn More →